Aufgaben und Methoden der Atemtherapie

Atemtherapie meint nicht nur das Symptom, sondern den Mensch als ganzen.

Der Schwerpunkt für atem- und leibpädagogische/therapeutische Tätigkeit liegt im Bereich der Prävention und Prophylaxe, sowie der persönlichen Entwicklung und in der Behandlung chronischer Beschwerden und Krankheiten. Dazu gehört die Beschäftigung mit vielschichtigen Atemfehlformen und deren Störungssyndromen. Darüber hinaus wirkt die Atemtherapie auch auf die Funktionsfähigkeit des Atmungs- und Bewegungsapparates ein und damit auf das leibseelische Befinden des ganzen Menschen. Der Atemtherapeut richtet sich nicht in erster Linie nach einem vorliegenden Symptom, sondern beachtet die psychosomatische und psychosoziale Gesamtheit des jeweiligen Menschen. Das atemtherapeutische Ansprechen der engen Beziehung zwischen Umwelt, Atem, Körperhaltung, Bewegung, seelischer Verfassung, Denken und Sprechen bzw. Stimme und Gesang bildet die Basis für eine optimale Entwicklung und Entfaltung der in jedem Menschen ruhenden potentiellen Ausdrucksfähigkeit.

Die zentrale pädagogische Aufgabe liegt im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheitserziehung, Prophylaxe und Rehabilitation mit folgenden Schwerpunkten:

Indikationen

Die Methoden der Atemtherapie sind:

Atemtherapeutische Richtungen

Varianten der Atemarbeit, die im Verband der Atemtherapeuten anerkannt sind:

Atmung - aber wie'

Wir atmen nicht nur mit der Lunge, sondern auch mit Mund, Nase, Kehlkopf, Rachen, Brust- und Bauchmuskeln und dem Zwerchfell. Wichtigster Atemmuskel ist das Zwerchfell, das den Herz- und Lun'genraum vom Bauchraum trennt. Es zieht sich rhythmisch und im Wechsel'spiel mit den Bauchmuskeln zusammen und erzeugt so ein Vakuum, in das hinein die Lunge sich ausdehnen kann. Das Einatmen erfolgt als Reflex, da der im Brustkorb entstandene Unterdruck frische Luft in die Lunge zieht. Unter Stress verkrampfen sich Zwerchfell und Bauchmuskulatur. Dadurch wird der Lun'genraum verkürzt. An einer natürlichen Vollatmung hingegen sind Brust- und Bauchmuskeln beteiligt. Beim Einatmen ist dann die Ausdehnung der Bauchhöhle auch in den Lenden, Flanken und am unteren Rücken zu spüren.
Im Ruhezustand atmen wir 13 bis 15 Mal pro Minute und nehmen dabei mit jedem Atemzug etwa 500 ml Luft auf. 90 Prozent des im Stoffwechsel vorhandenen Sauerstoffs liefert die Atmung und 10 Prozent die Nahrung. Zusammen mit dem sie steuernden Nervensystem, dem Blutkreislauf, dem Herzen und den Blutgefäßen versorgt die Atmung den Körper bis in jede Zelle hinein mit Sauerstoff und entfernt das bei der Verbrennung entstandene Kohlendioxyd. Bei der Regulierung des Säure-Basen- Haushaltes ist das Atemsystem neben den Nieren von zentraler Bedeutung: Beim befreiten Durchströmen des Atems sollen 70 Prozent aller Toxine aus dem Körper ausgeschieden werden, was andere Entgiftungsorgane wie Haut, Harnwege und Dickdarm merklich entlastet.

(Text: Gabriele Erb, Dipl. Psychologin, Atempädagogin, Fachübersetzerin und Fachjournalistin in München. Erstveröffentlichung: Psychologie Heute, 11/1998)